Wir beide und die anderen – Als Hochsensibler in einer Gruppe

Wir beide und die anderen im Bus

Photo by Annie Spratt on Unsplash

 

In der Mitte zu sein hat schon seine Vorteile. Man kann auf beide Seiten pendeln. Was aber, wenn es unter Stress kippt?

Mein fiktives Szenario

Stell dir mal Folgendes vor: Wir beide sind bei derselben Firma angestellt und begeben uns heute auf einen Firmenausflug. Der Car steht schon bereit. Es geht nach Luzern und dann auf den Vierwaldstättersee. Bevor wir aber auf das Schiff gehen, müssen wir noch eine Aufgabe erledigen. Teambuilding heisst das Neu-Deutsche Wort. Das wird uns vor Abfahrt auf jeden Fall noch so gesagt.

Wir sollen uns besser kennenlernen, so heisst es. Deshalb werden wir alle in 4er-Gruppen eingeteilt. Du und ich und noch zwei andere aus unser Firma dürfen zusammenarbeiten. Jeeyy! Wir beide und die anderen.

Aber zuerst einmal heisst es zwei Stunden mit dem Car unterwegs zu sein. Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist trotz früher Stunde bereits ein reges Gequatsche im Car im Gang. Alle sind am reden. Einige tauschen sich über die Aufgabe aus während sich andere über den Job und die anstehenden Änderungen austauschen.

Jetzt geht’s los!

Der Car rollt. Und ich mittendrin. Als Hochsensible Person ist ein solches Fahrzeug eine Herausforderung. Da kannst du nicht fliehen. Lediglich auf der Toilette hast du für ein paar Minuten die Möglichkeit, dich zurückzuziehen. Aber wenn es so läuft, wie es immer läuft, wird nach spätestens zwei Minuten der oder die Erste an die Tür klopfen. „Ich muss mal. Mach!“

Mein Sitznachbar erzählt mir von seiner neuen Position. Er sei viel freier als vorher, erzählt er mir. Seine neue Vorgesetzte sei super und er habe viel Spass. Wie es denn mir ergehe, wollte er wissen. Und wie ich auf die Ankündigung reagiert habe, dass wir in ein Grossraumbüro umziehen sollen? Nicht gerade erfreut, teile ich ihm mit.

Während der ganzen Fahrt bin ich in kürzere und längere Gespräche involviert. Jipee! Mein Kessel wird schon auf der Fahrt gut gefüllt.

Geschafft! Endlich aussteigen!

In Luzern angekommen bin ich schon ziemlich müde. Wenn ich könnte, würde ich mich jetzt zurückziehen und mich erholen. Leider geht das aber nicht.

Die Aufgabe! Wir beide und die anderen.

Wir sollen in Luzern einem Pfad folgen und in der Innenstadt verschiedene Aufgaben lösen, wird uns gesagt. Mein Gruppe kenne ich ja schon. Du bist auch dabei.

  • Was werde ich in die Gruppe hineinbringen können?
  • Wo wird es voraussichtlich eher stressig für mich?
  • Was brauche ich, um nicht gestresst zu werden?

Diese und ähnliche Fragen gehen mir durch den Kopf. Doch noch bevor mein Gehirn wirklich eine Antwort finden kann, geht es schon los. Luzern wir kommen!

Ich bin ein Kind der Mitte!

In Bezug auf Gruppen auf jeden Fall!

Beim Lösen der Aufgaben bin ich jemand, der sich sowohl aktiv einbringt, als auch die Notwendigkeit der Eigeninitiative zu schätzen weiss. Perfekt für die Gruppenaufgabe also.

Bin ich aber gestresst, ist es aus mit der Mitte. Dann werde ich ungeduldig und akzeptiere Gruppenprozesse nicht mehr so wirklich. Gruppenprozesse sind aber normal und speziell bei neu gebildeten Gruppen braucht es einige Zeit, bis sich eine Gruppe gefunden hat.

Forming – Storming – Norming – Performing. Wer das kennt, weiss wovon ich rede. Ansonsten kannst du das gleich wieder vergessen. Ist für unser Thema nicht so wichtig.

Ich ziehe mich unter Stress zurück und beteilige mich dann nicht mehr. Super oder? Aus der Vierergruppe ist gerade eine Dreiergruppe geworden. Fertig mit ‚Wir beide und die anderen‘. Bei dir kommt das mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht so gut an. Kann man ja gut verstehen. Wer mag denn schon Typen, die sich zurückziehen, wenn es nicht schnell genug geht? Ich auch nicht!

Dann unterstütze mich doch! – Wir beide und die anderen.

Damit ich nicht in diesen Stressmodus komme, brauche ich Unterstützung und Anerkennung. Das ist aber nicht deine Aufgabe. Für mich ist es einfach wichtig, in einer Gruppe Unterstützung zu erfahren.

Sich dessen bewusst zu sein, ist schon mal der erste Schritt. Erreichen kann ich das, wenn ich mich selbst einbringe und Anerkennung und Wertschätzung ausspreche. Wenn ich das von dir und den beiden anderen im Team fordern würde, wäre das gelinde gesagt, arrogant.

Aber ich kann zu einem Klima der Wertschätzung beitragen, das so zu einer Gruppendynamik führt und die gemeinsame Zusammenarbeit fördert. Die positive Zusammenarbeit hilft mir auch, meinen Kessel etwas zu entleeren. Gerade Wertschätzung und die Unterstützung bei solchen Gruppenaufgaben sind Balsam für mich.

Auf jeden Fall sollte ich es aber vermeiden, in den Stressmodus zu fallen. Im Stressmodus zu sein bedeutet für mich, den Kessel zu füllen und irgendwann zu überfüllen. Dann ist Ende Feuer und ich habe für den restlichen Ausflug keine Energie mehr.

Wäre mehr als schade! Endgültig Schluss mit ‚Wir beide und die anderen.‘

Deshalb ist für mich wichtig…

  • …Ermutigung und Unterstützung in der Gruppe zu bekommen
  • …akzeptiert zu werden
  • … in Gruppen aktiv sein zu können auch wenn ich gut auch alleine arbeiten kann – In der Mitte eben! Du erinnerst dich!?

Auch hier, wie beim letzten Mal beschrieben kann ich aktiv etwas tun, um mich nicht ständig wegen Müdigkeit überall zurückziehen zu müssen. Das Birkman Profil hat mir wertvolle Impulse geliefert, in Gruppensituationen meine Stärken ausspielen zu können.

Nächste Woche…

…werde ich dir erzählen, warum Organisation und Struktur für mich wichtig sind und was ich für mich als Hochsensible Person aus dem Birkman Persönlichkeitsprofil für den Alltag profitieren kann.

Mehr zum Birkman Persönlichkeitsprofil findest du hier:
https://vista-coaching.ch/persoenlichkeitsprofil/

Jetzt bist du dran!

Wie geht es dir in einer solchen Situation, wie der im Gartenrestaurant? Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht oder bist du eher die Person, die am erzählen ist?

Lass uns als Hochsensible Community daran teilhaben und schreib mir einen Kommentar unten in die Kommentarsektion.

Sei ein Abenteurer der die Welt bewegt!

Dein Markus